Überblick und Eindrücke: Ghost in the Shell

Ü

In Syndicate Wars zeigten die Macher ganz offen ihre Sympathie für den bekannten Comic Judge Dredd und für Ghost in the Shell. Um zu erkennen, wie stark Syndicate tatsächlich von Ghost in the Shell beeinflusst ist, musste ich mich erst mit der Gesamtausgabe der Filme und Serien in Klausur begeben. Diese kannte ich zwar bereits flüchtig, hatte jedoch nur einen einzelnen Band gelesen, Ausschnitte gesehen und in jeder Hinsicht Nachholbedarf. Ghost in the Shell ist in seiner Gesamtheit für mich ein Augenöffner gewesen. Die Art, wie hier Wirtschaftskriminalität, Cyberverbrechen, Hightech-Krimi, Militärisches und düstere Science-Fiction zu einem unterhaltsamen und geistig über weite Strecken erstaunlich fordernden Actionthriller verrührt werden, ist hochklassig. Die Etiketten Cyberpunk und Postcyberpunk trägt Ghost in the Shell zu Recht, ist es doch thematisch umfangreicher, expliziter und gehaltvoller als zahlreiche gewichtige Bücher unterschiedlicher Autoren, denen vielfach attestiert wird eine Referenzgröße des Cyberpunk zu sein. Verwoben mit allerhand sozialethischen und existenzphilosophischen Überlegungen behandelt Ghost in the Shell auch das im Cyberpunk stets virulente Thema Cybertechnologie und Menschlichkeit.

Genaugenommen Regierungseigentum

Was fällt ins Auge? Die Regierung rüstet in Ghost in the Shell Menschen zu Cyborgs um. Major Motoko Kusanagi von der Sektion 9, einer Spezialeinheit des Innenministeriums, ist ein solcher Cyborg, beziehungsweise war sie es bis zu ihrem Verschwinden. Ihr früherer Partner Batou sagt zu Togusa im Film Ghost in the Shell 2: Innocence: “Eigentlich war das einzige, was sie je hatte, ihre grauen Zellen und ihr Ghost. Und selbst deren Echtheit hat sie immer bezweifelt. Ihr Cyberkörper und ihr Cyberbrain gehörten der Regierung. Deshalb waren auch sämtliche in ihrem Cyberbrain gespeicherten Informationen genaugenommen Regierungseigentum. Denen da oben geht es nur darum, ihren Speicher unbeschädigt wiederzubekommen. Jedes Interesse an ihrem Leben ist dabei doch reine Heuchelei.” Aufschlussreich hierzu ist eine Schlüsselszene in Ghost in the Shell: Motoko und Batou treffen sich privat nach Dienstschluss auf einem Boot im Hafen. Kusanagi sinniert: “Die Menschen verspüren den Drang, alles zu beheben, was sie als Mangel empfinden. Alle technischen Errungenschaften folgen diesem Prinzip. Wir stellen die höchste Stufe der Entwicklung dar. Unsere Cyberbrains und Cyberkörper zeichnen sich durch schärfere Wahrnehmung, gesteigerte Ausdauer und Reaktionsschnelligkeit sowie durch schnellere und umfassende Informationsverarbeitung aus. Aber wir können ohne Wartung nicht mehr leben.” Batou sagt darauf: “Das einzige, was wir Sektion 9 noch nicht verkauft haben, sind unsere Ghosts.” Daraufhin erwidert Kusanagi: “Wir könnten kündigen. Aber dann müssten wir unsere Cyberbrains und Cyberkörper der Regierung zurückgeben. Dann bliebe nicht mehr viel übrig.”

Auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtet

Stilistisch ist Ghost in the Shell eine Offenbarung. Insbesondere der erste Film und die zweite Staffel der Fernsehserie sowie der daran anknüpfende dritte Film gewinnen klar mit einem mehr an Düsternis. Beide Produktionen sind erkennbar stärker auf ein erwachseneres Publikum ausgerichtet. Die erste Staffel der Serie scheint eine bewusste Produktion für das Nachmittagsprogramm gewesen zu sein, der zweite Film gleitet unnötigerweise ins obsessiv groteske ab, was den Genuss schmälert. Es droht jedoch Verwirrung, denn insgesamt gibt es eine irritierende Vielzahl von Produktionen, deren Handlungsstränge zum Teil zusammenhanglos parallel verlaufen. Der ursprüngliche Film existiert in zwei unterschiedlichen Versionen, aus den Serien heraus entstand jeweils ein OVA, das den Haupthandlungsstrang abbildet- wobei Second Gig eigentlich zwei Haupthandlungsstränge hat. Interessant ist: Mit der Serie Ghost in the Shell: Arise kommt 2013 eine neue Serie auf den Markt. Es handelt sich um einen vierteiligen, erneut völlig eigenständigen Reboot mit stark verjüngten Charakteren, dieser Reboot soll auch mit dem jüngst annoncierten Shooter Ghost in the Shell: Stand Alone Complex Online in Zusammenhang stehen.

Eins zu eins auf Syndicate übertragbar

Stilistisch hat Ghost in the Shell Syndicate stark beeinflusst, daran besteht kein Zweifel. Syndicate überträgt die oben beschriebenen Aspekte der Maschinenkörper, des vernetzten digitalen Universums und der skrupellosen Machenschaften rivalisierender Fraktionen in eine vollkommen gesetzlose Umgebung. Die charakteristischen Ansichten der Stadt aus Ghost in the Shell sind genauso eins zu eins auf Syndicate übertragbar wie diverse andere Bestandteile. Auf einzelne Aspekte könnte ich ausführlicher eingehen, das würde jedoch den Rahmen dieses Berichts stark strapazieren. Bei Bedarf liefere ich Nachträge zu einzelnen Aspekten nach. In der Galerie habe ich erstmal Bilder zusammengestellt, die in einen guten Eindruck vermitteln. Es werden später noch direkte grafische Gegenüberstellungen mit Bildmotiven aus Syndicate folgen. Hier geht’s erstmal zu den Bildern:

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Chris
Chris

Play Syndicate News ist die erste deutschsprachige Fansite, Newscenter und Community zur Videospielreihe Syndicate von Bullfrog Productions, Starbreeze Studios und Electronic Arts (EA). Themen sind für uns neben Syndicate auch Games und Spielkultur im allgemeinen sowie Dystopische Erzählungen, Dark Sci-Fi und Cyberpunk in Literatur, Film und Videospiel. Wir liefern Kurzmitteilungen, Updates, schnelle Information, Berichte, Kommentare, Vernetzung, Austausch, Hintergründe und vieles mehr.

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Chris Von Chris

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