Review zum Kinofilm GI Joe: Retaliation

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In GI Joe: Retaliation gelingt es den Schergen von Cobra, den Präsidenten der USA gefangen zu nehmen und durch einen Doppelgänger zu ersetzen. Dieser Clou zeichnete sich bereits am Ende des ersten Teils, GI Joe: Rise of Cobra, ab. Der Plot wird im neuen Film konsequent fortgeschrieben. Bei aller oberflächlichen Banalität, die während des Leinwandspektakels auf den Kinobesucher einprasselt, hat der Film jedoch einen Subtext. Darin ist er dem ersten Teil überlegen. Im ersten Film war alles noch so wie man es aus infantilen Comics und Trickfilmvorlagen kennt, kindgerecht und ein bisschen doof. Die Guten verhauen die Bösen. In diesem Film wird die Welt hingegen völlig auf den Kopf gestellt. Der falsche Präsident erklärt die edle Elitetruppe GI Joe kurzerhand zu einer verbrecherischen Miliz und befördert die verbrecherische Miliz Cobra zum paramilitärischen Arm des Weißen Hauses. Verkehrte Welt. Die Joes werden aber nicht in die Verbannung geschickt, entwaffnet, eingekerkert und umgeschult. Nein, sie werden brutal angegriffen und fast vollständig ausgelöscht.

Sich selbst und die eigene Burg retten

Bis auf Roadblock, Lady Jaye und einen dritten Mann sind alle dahin. Die drei überleben den Angriff deshalb, weil die Schergen von Cobra nachlässige Stümper sind. Eine Handgranate in den Schacht und die Sache wäre aus gewesen. So aber bleiben sie am Leben und machen sich auf den Weg. Aber wohin kann man gehen, wenn man nicht mehr nach Hause kann? Wen bittet man um Hilfe, wenn die eigenen Institutionen sich offenbar gegen einen gewendet haben? Wie kann man sich vor einem Feind schützen, der innerhalb der eigenen Burgmauern lauert? Und was viel wichtiger ist: wie kann man diesen Feind bekämpfen, um sich selbst und die eigene Burg zu retten?

Um aus der reinen Quelle zu schöpfen muss man nach Japan gehen

Hier greift der Film eine Frage auf, die seit dem Ende des Kalten Krieges fast vollständig in Vergessenheit geraten ist. Und weil in GI Joe: Retaliation die gesamte Pop-Kultur der letzten Jahrzehnte kulminiert, gibt der Film eine Antwort, die man intuitiv als zutreffend annehmen muss. Wenn die bestehende Ordnung zusammengebrochen ist und man zur Orientierung an den Ursprung zurückkehren muss um wieder aus der reinen Quelle zu schöpfen, dann muss man nach Japan gehen. Und genau dorthin führt der Film den Zuschauer gleich zweimal. Einmal als krassen Kontrast zum erschütternden Zusammenbruch der GI Joes und dann noch ein zweites Mal, wenn an selber Stelle der undurchsichtige Ninja Stormshadow ebenfalls den Zusammenbruch einer etablierten Ordnung erlebt und sein Weltbild dadurch ins Wanken gerät.

Suche nach der eigenen Identität

Die Joes kehren auf unterschiedlichen Wegen an den Ursprung zurück und formieren sich neu. Dass der pensionierte General Joe Colton, der Urvater aller Joes, ein ganzes Waffenarsenal im Haus hat, mit dem er aus dem Stand die gesamte Revolution ausrüsten kann, ist für das deutsche Publikum ein überraschender Gag. Amerikaner amüsieren sich indes eher darüber, dass er die Ausrüstung trickreich und aufwändig im Küchenschrank versteckt hat. Der Film bietet ein Wiedersehen mit bekannten Figuren aus der Kindheit, tolle Kostüme und einen scheinbar seichten Plot. Aber machen wir uns nichts vor, der Film transportiert noch mehr: Er zeigt schließlich wie der Zusammenbruch einer Ordnung unterschiedliche Figuren auf verschiedene Weise dazu zwingt, vermeintlich Feststehendes in Frage zu stellen und sich auf die Suche nach der eigenen Identität zu begeben. Dieser Weg führt, ob physisch oder in Rückblenden, die Figuren an ihren jeweiligen Ausgangsort zurück. Mancher Weg erfordert Bereinigungen und radikales Umdenken bevor die Neuordnung gelingt.

Rauschhaft und herrlich verspielt

Der Film zeigt neben einigen einfallslosen Szenen vor kärglicher Kulisse auch eine Vielzahl einfallsreicher Schauplätze, die dank wunderbar kreativer Inszenierung einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Einem Hochsicherheitsgefängnis in „Ost-Deutschland“ haben die Produzenten besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Ein im wahrsten Sinn des Wortes entlegenes Dorf in einem asiatischen Gebirgsmassiv lädt zu virtuoser Ninja Action ein, die rauschhaft und herrlich verspielt inszeniert ist. Hier erinnert GI Joe Retaliation auf liebenswürdige Weise an die von sabbersprühenden Geräuschkulissen begleiteten Kämpfe, die Actionfiguren in unzähligen Kinderzimmern ausgefochten haben. Die grenzenlose Fantasie von Kindern wird unzählige ebenso schöne und unendlich vielfältige Kulissen erzeugt haben, in diesem Film wurde ihnen ein Denkmal gesetzt.

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Chris
Chris

Play Syndicate News ist die erste deutschsprachige Fansite, Newscenter und Community zur Videospielreihe Syndicate von Bullfrog Productions, Starbreeze Studios und Electronic Arts (EA). Themen sind für uns neben Syndicate auch Games und Spielkultur im allgemeinen sowie Dystopische Erzählungen, Dark Sci-Fi und Cyberpunk in Literatur, Film und Videospiel. Wir liefern Kurzmitteilungen, Updates, schnelle Information, Berichte, Kommentare, Vernetzung, Austausch, Hintergründe und vieles mehr.

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